Mina Ahadi: “Wenn Probleme nicht ernst genommen werden, dann hilft das nur denen, die gegen Ausländer hetzen.”

19. Okt 2017 Von Petra Adick, Humanistischer Pressedienst

Die Bundestagswahlen machten deutlich, dass sich das politische Klima in Deutschland verändert hat. Der hpd sprach mit der Vorsitzenden des Zentralrates der Ex-Muslime, Mina Ahadi, über das Erstarken von islamistischen Kräften im Lande und den Reaktionen darauf, die auch darin bestehen, dass die AfD mit mehr als 12% Wählerstimmen in den Deutschen Bundestag eingezogen sind.

Bei den letzten Wahlen hat die AfD 12,6% der Stimmen bekommen. Frau Ahadi, was ist los in Deutschland?

Mina Ahadi: Es gibt in Deutschland eine große Unzufriedenheit. Es geht sich dabei nicht nur um das Kopftuch und den Einfluss der Islamisten, die jeden Tag neue Forderungen stellen wie z.B. die Diskussionen über halal und haram in Schulen.

Es geht auch nicht nur um die Flüchtlinge, die hier in Deutschland leben. Leider wird immer vergessen, wieso diese eigentlich hier sind, aus welchen Gründen sie geflohen sind und welche Rolle die europäischen Regierungen dabei gespielt haben. Im Grunde geht es sich um die zunehmende Unsicherheit und Verarmung in der Gesellschaft.

Die Menschen sind wach geworden und sehen, dass das politische System einfach ohne sie weiter macht. Das schmerzt. Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Man sieht mehr und mehr Rentner, die auf den Straßen nach Pfandflaschen suchen. Haben das Menschen nach 40 Jahren Arbeit verdient? Laut einer Statistik sind 42% aller Alleinerziehender arm oder armutsgefährdet. Ist das wirklich das Beste, was ein reiches Land wie Deutschland seinen Bürgern zu bieten hat?

Eines der grundlegenden Probleme ist, dass alle vier Jahre Wahlen stattfinden und dass danach die Parteien machen, was sie wollen. Vor den Wahlen wird sehr viel versprochen und danach sehr wenig getan. Wie wir gesehen haben, sind der Islam und der politische Islam und alles was dazugehört auch zum Wahlthema geworden. Aber kaum eine Partei redet über diese Probleme Klartext. Die deutsche Regierung mit ihrer bisherigen Politik ist auch nicht die Antwort, sondern ein Teil des Problems, und jetzt haben wir die AfD am Hals.

Angeblich sind 60% der Menschen, die die AfD gewählt haben, nicht mit deren Programm einverstanden. Diese Menschen haben die AfD nicht gewählt, weil sie systemkritisch ist oder gute Lösungen gegen Arbeitslosigkeit oder Altersarmut hat, sondern weil sie sagt, dass wir diese Probleme haben, weil so viele Ausländer, so viele Flüchtlinge, nach Deutschland gekommen sind.

Einer der wichtigsten Punkte dabei ist die Kritik am Islam und am politischen Islam. Leider geht es der AfD aber hierbei nicht um eine sachliche, humane Diskussion, sondern letztendlich läuft es auf eine Hetze gegen Ausländer hinaus. Die AfD ist die einzige Partei, die diese Themen anspricht, aber nur, um sie für ihre eigenen Zwecke zu verwenden. Alle anderen Parteien haben bislang versucht, diese Themen zu ignorieren oder zu verharmlosen.

Bedeutet das, dass das Thema Islam und politischer Islam einer der Schwerpunkte für viele Menschen ist?

Leider ja. Wenn ich mit meiner Familie im Iran rede, dann verstehen sie nicht, warum Islam und Islamismus zum Thema bei den Wahlen werden konnte. Doch der politische Islam ist hierzulande sehr aktiv hier und hat viel Einfluss gewonnen.

“Die Probleme … haben aber nicht damit angefangen, dass Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, sondern weil … der politische Islam … versucht, sich hier in Europa durchzusetzen…”

Man sieht immer mehr Frauen auf den Straßen, die ein Kopftuch tragen. Es gibt mehr und mehr Druck und Klagen, das Kopftuch, z.B. am Arbeitsplatz oder in den Schulen, zuzulassen. Es werden mehr Moscheen gebaut. Wenn Sie glauben, dass dies ein Ausdruck einer zunehmenden, individuellen Religiosität der Menschen ist, dann haben Sie den politischen Islam nicht verstanden. Schauen Sie sich nur die Türkei an. Ein systematisches Programm und Druck der Islamisten sägt ständig an den säkularen Strukturen dort. Jetzt wird die Evolutionstheorie aus den Schulbüchern gestrichen. Wer hat das gefordert?

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SAMUEL SCHIRMBECK: „Der Islam ist rechter als die ganze AfD“

FsH Mitstreiter Samuel Schirmbeck
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DIE WELT: Herr Schirmbeck, warum kritisieren Sie den Islam und nicht nur den Islamismus?

Schirmbeck: Ich nenne es bewusst Islamkritik, weil der Islamismus die Aktivierung der im Islam selbst ruhenden Gewalt ist – um das zu erkennen genügt eine Lektüre des Koran. Der Islamismus ist inhärenter Teil des Islam, weswegen ich diese strenge Islam-Islamismus-Trennung für eine bewusste öffentliche Irreführung halte. So sieht es auch die gesamte muslimische Aufklärung. Wir sollten es ernst nehmen, wenn Yahya Staquf, Präsident der größten Muslimvereinigung Indonesiens, des größten muslimischen Landes, den politischen Führern Europas zuruft: Hört auf damit, den Leuten immer zu erzählen, der Islam habe nichts mit dem Islamismus zu tun, das ist ein unglaublich gefährliches Spiel, das ihr da treibt, und die Konsequenzen werdet ihr noch bedauern.
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ZANA RAMADANI: “Die verschleierte Gefahr: Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen”

FsH Mitstreiterin Zana Ramadani

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»Der Islam gehört nicht zu Deutschland«, sagt Zana Ramadani. »Muslime gehören zu Deutschland – aber nur, wenn sie sich dieser Gesellschaft anpassen.« Doch das kann nicht gelingen, solange die überkommenen Regeln einer vormodernen Religion auf die heutige westliche Welt angewendet werden und muslimische Mütter frauenfeindliche Werte an ihre Kinder weitergeben. Als Tochter einer muslimischen Einwandererfamilie nennt Zana Ramadani Dinge beim Namen, die sich sonst kaum jemand zu sagen traut: »Die muslimischen Frauen herrschen in der Familie. Ihre Töchter erziehen sie zu willenlosen Lemmingen, ihre Söhne zu verwöhnten Machos – und weil diese Hätschel-Machos damit im Leben scheitern, zu den nächsten Radikalen.« In ihrem Buch plädiert Zana Ramadani für eine offene, schonungslose Auseinandersetzung und macht deutlich: Ohne die muslimischen Mütter kann Integration nicht gelingen. Zana Ramadani ist eine der meinungsstärksten islamkritischen Stimmen Deutschlands. Für die engagierte Menschenrechtsaktivistin ist klar: Ein Islam, der den Koran wortwörtlich nimmt und Regeln aus dem Mittelalter einfordert, der Frauen missachtet und junge Männer radikalisiert, der die westliche Kultur und die hier existierenden Gesetze ablehnt, gehört nicht zu Deutschland. Als Tochter einer muslimischen Einwandererfamilie erlebte auch Zana Ramadani Gewalt und Unterdrückung. Schnell lernte sie: Es sind oft die muslimischen Mütter, die in den Familien herrschen, indem sie die frauenfeindlichen Werte, unter denen sie selbst gelitten haben, an ihre Kinder weitergeben. In ihrem Buch macht Zana Ramadani deutlich, dass die Integration von Muslimen in unsere Gesellschaft nicht gelingen kann, solange muslimische Mütter ihre Söhne zu verwöhnten Machos und ihre Töchter zu Gehorsam und Anpassung erziehen. Gleichzeitig stellt sie klar: Wir müssen aufhören, den politischen Islam und die fortdauernde Diskriminierung der muslimischen Frau als kulturelle Eigenart zu verharmlosen, wenn wir unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigen wollen.

(III FsH Treffen): VIDEO FsH Pressekonferenz (Protest mit Erfolg gegen Finanzierung von Islamistischen Vereinen / Al-Mustafa-Institut)

28.7.2017
Zum dritten Mal hat sich unsere Initiative von MenschrechtsaktivistInnen, Opfer, Überlebende und Expertinnen F R E I r a u m statt H A R A M k u l t u r am 28.Juli 2017 in Berlin getroffen. Anschliessend gaben wir eine Pressekonferenz:

Nach Protesten distanzierte sich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von dem Workshop des islamistischen Al-Mustafa-Institut und forderte dessen Absage

Netzwerkzusammenarbeit und der beherzte Einsatz einzelner Personen und Gruppen haben sich gelohnt.

Allen dafür herzlichen Dank!

Anbei das Video unserer Pressekonferenz vom 28.7.2017 im Haus der Bundespressekonferenz, Berlin.


Am Tag unserer Pressekonferenz gegen die indirekte Förderung eines Workshops des Al-Mustafa-Instituts durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) distanzierte sich das BMFSFJ von dem Workshop und forderte die Beteiligten zur Absage des Workshops auf. Ein erster Erfolg! Von Seiten des BMFSFJ hieß es, es seien schon im Juni erste Proteste eingegangen. Das Ministerium habe reagiert und die Türkische Gemeinde Deutschland, über die die Finanzierung an die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands e.V. (IGS) und das Al-Mustafa-Institut weitergeleitet wurde, aufgefordert, detailliertere Informationen über das Seminar zum Thema “Islamverständnis zwischen Rationalität und Radikalität” einzureichen. Das sei trotz mehrfacher Aufforderung nicht geschehen, was schließlich zu der Absage geführt habe.

Wir haben zu diesem Zeitpunkt keine Information darüber, ob der Workshop trotzdem stattgefunden hat. Das Al-Mustafa-Institut hat uns die Auskunft hierüber auf telefonische Nachfrage am 28.7.2017 verweigert.

Das BMFJFS hatte die Förderung laut eines Artikels in der BILD von Antje Schippmann über das Programm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ bewilligt. In einem offenen Brief von “Freiraum statt Haramkultur”-Mitbegründerin Mina Ahadi (Zentralrat der Ex-Muslime Deutschland) an Ministerin Katarina Barley (SPD) forderte Ahadi das BMFSFJ auf, sich aus der Unterstützung des mit 18.000 Euro geförderten dreitägigen Workshops zurückzuziehen. Die gleiche Forderung richteten Stop the Bomb und andere Initiativen, nicht zuletzt auch Frauen iranischer Herkunft, an Frau Barley. Diesem Einsatz ist zu verdanken, dass Katarina Barley selbst schließlich auf die Problematik des Workshops aufmerksam wurde, um dann zügig und im Sinne der Proteste positiv zu reagieren.

Darüber hinaus forderte Ahadi die Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit Organisationen, die eine fundamental-islamische Ideologie vertreten und verbreiten. Eine Kooperation mit Verbänden, die vom iranischen Terror-Regime beeinflusst werden und die für frauenverachtende, undemokratische, homophobe, antisemitische und islamistische Ideologien stehen und diese auch hier bei uns verbreiten, sind nicht nur ein Skandal, sondern auch gefährlich. Denn mit einer Zusammenarbeit verhöhnt die Bundesregierung nicht nur die demokratischen Kräfte im Iran, die sich gegen die Kopftuchpflicht, menschenrechtsverletzende Bräuche und Strafen wie Steinigung auflehnen, sondern verrät durch Empfang von und Kooperation mit iranischen Vertretern auch unsere eigenen demokratischen und humanistischen Werte. Werte, die über Jahrhunderte errungen wurden, und die wir auch wieder verlieren können, wenn wir nicht aufpassen.

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Siehe auch Artikel: Nach BILD-Bericht und Protestwelle Familienministerin streicht Geld für Mullah-Seminar

SAMUEL SCHIRMBECK Buch: “Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen: Warum wir eine selbstbewusste Islamkritik brauchen”

FsH Mitstreiter Samuel Schirmbeck
Screen Shot 2017-10-05 at 7.38.04 AM»Der Umgang mit Muslimen war bislang eher neurotisch denn normal. Islamkritik bedeutet aber mitnichten, Muslime anzugreifen, sondern Schutz vor seinen menschenverachtenden Auswüchsen, die sich gegen Frauen, Homosexuelle, eigenständig Denkende und sogenannte Ungläubige richten ? also auch gegen Millionen von Musliminnen und Muslimen.«
Samuel Schirmbeck
Radikale Islamkritik tut sich hierzulande schwer, wird sie doch des Rassismus und des Fremdenhasses verdächtigt. Der Autor findet diese Haltung unbegreiflich, ja skandalös. Dieses Buch ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Islam und eine scharfzüngige Abrechnung mit der Linken, die allzu oft jede Islamkritik des Rechtspopulismus verdächtigt. Zudem ist es eine offene und selbstkritische Auseinandersetzung eines renommierten Nordafrika-Korrespondenten mit dem Islam, dessen langjähriger Aufenthalt in arabischen Ländern ihn langsam zum Islamkritiker werden ließ.
»Die Islamisten haben die absolute Waffe gefunden: den Vorwurf der Islamophobie. Wenn wir uns dagegen nicht wehren … werden wir wie stumme Schafe, die man ins Schlachthaus führt. Deshalb sollte dieses Buch gelesen werden.«
Boualem Sansal (Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2011)

CHRISTINA KETTERING: “Genau hinzuschauen, wenn es um die Integration von Neueinwanderern aus islamischen Ländern geht”

FsH Mitstreiterin Christina Kettering engagiert sich ehrenamtlich bei der AG F+M Lehrergruppe, und gibt Nachhilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Genau hinzuschauen, wenn es um die Integration von Neueinwanderern aus islamischen Ländern geht

Nach jedem islamischen Anschlag wird er laut: der Ruf nach öffentlicher Distanzierung vonseiten der „moderaten“ Muslime. Und sie folgen ihm: Aiman Mazyek neben der Bundeskanzlerin gedenkt der Opfer der Anschläge von Paris, Lamya Kaddor organisiert einen Friedensmarsch der Muslime in Köln, der Dachverband der schiitischen Gemeinden in Deutschland -IGS – bietet als „Prävention gegen Extremismus“ einen vom Familienministerium geförderten Workshop zum Thema „Islam zwischen Rationalität und Radikalität“ an sowie „präventiv-pädagogische Bildungsworkshops“ für Jugendliche. Mohamed Taha Sabri, Imam der Neuköllner Dar-Assalam-Moschee, betet mit Vertretern anderer Glaubensrichtungen auf dem Breitscheidplatz für die Opfer des Anschlags auf den dortigen Weihnachtsmarkt 2016 und beteiligt sich im Juli 2017 am „Marsch der Muslime gegen den Terrorismus“. Sie alle grenzen sich öffentlich deutlich ab von den „Kriminellen“, die ihre Religion „missbrauchen“, ziehen scharfe Grenzen zwischen den Extremisten und sich selbst – den moderaten Muslimen. Und Gesellschaft und Politik tun es ihnen gleich. Der IGS sitzt in der Deutschen Islamkonferenz, seine Projekte werden mit staatlichen Mitteln gefördert, Sabri wurde mit dem Verdienstorden des Landes Berlin geehrt. Lamya Kaddor, Religionslehrerin in Nordrhein-Westfalen, ist als Vertreterin des liberalen Islam gern gesehener Gast in Talkshows.
Schaut man genauer hin, kommen jedoch Zweifel auf, was „moderat“ im Einzelnen bedeutet….

Zum Artikel hier

FsH Mitglied Mina Ahadi – Offener Brief: “Der Staat muss die Zusammenarbeit mit islamistischen Organisationen stoppen!”

Das Familienministerium fördert einen Workshop zum Thema “Islamverständnis zwischen Rationalität und Radikalität”. Die Veranstaltung wird von Organisationen durchgeführt, die dem iranischen Regime nahe stehen. Die Islamkritikerin Mina Ahadi wendet sich in einem offenen Brief an Familienministerin Katarina Barley und fordert darin ein Ende der Zusammenarbeit.

Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Katarina Barley,

mit großem Entsetzen muss ich feststellen, dass Ihr Familienministerium mit über 18.000 Euro indirekt einen dreitägigen Workshop finanziert, welcher von der Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) und dem Al-Mustafa-Institut unter dem Titel “Islamverständnis zwischen Rationalität und Radikalität – Historisch-theologische Hintergründe und soziale Herausforderungen” vom 28.7.-30.7.2017 in Berlin veranstaltet wird.

Ausgerechnet mit ausgemachten Unterstützern des politischen Islam wollen Sie gegen Radikalisierung in Deutschland vorgehen. Ich kann es mir nur mit Ihrer Unkenntnis erklären, dass Sie im Rahmen des Programms “Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit” unverblümt Vertreter des Islamismus finanzieren.

Ich hoffe und gehe zugleich davon aus, dass sie keine Veranstaltung der Identitären Bewegung oder der AfD fördern würden, um gegen Rechtsextremismus vorzugehen. Wieso setzen Sie beim islamischen Extremismus andere Maßstäbe an? Noch vor kurzem bewertete die IGS den Beschluss des Bundestages über die “Ehe für alle” als “eine offensichtliche Auflehnung und Ablehnung der göttlichen Gebote”. Ich befürworte und unterstütze Ihren persönlichen Einsatz gegen Homophobie in der Öffentlichkeit. Doch warum fördern Sie in diesem Fall eine homophobe Institution?

Das Al-Mustafa-Institut ist ein Instrument der iranischen Staatsführung

Der Iran verfolgt seit 37 Jahren eine mehrstufige Strategie der Einmischung in andere Staaten und Gesellschaften. Dies beruht auf dem Ziel, den politischen Islam zu exportieren. Dazu betreibt das iranische Regime unter anderem die Quds-Einheiten der Revolutionsgarden, die neben der libanesischen Hisbollah und der Hamas noch viele andere Milizen befehligen und finanzieren. Über seine Auslandsbotschaften unterhält das Regime ein breites Netz von geheimdienstlichen Tätigkeiten und verbreitet mit religiösen und kulturellen Institutionen seine unmenschliche Ideologie. Zu diesen Institutionen gehören weltweit circa 150 Ableger der Al-Mustafa-Universität, eines davon ist das Al-Mustafa-Institut in Berlin.

In Ihrer Position als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sollten Sie eigentlich wissen, dass der oberste Führer des islamischen Regimes, Ali Khamenei, die höchste Autorität der Al-Mustafa-Universität ist. Ein Ableger dieser Universität veranstaltet nun den von Ihnen finanzierte Workshop zum Thema: “Islam zwischen Rationalität und Radikalität”. Ziel sei zuallererst die Vermittlung eines “rationalen Islamverständnisses im Vergleich zu einer radikalen Interpretation der Schriftquellen”.

Dieser vermeintlich “moderaten” Herangehensweise widerspricht jedoch die praktische wie auch theoretische Ausrichtung des Instituts, das sich auf die Weisungen des obersten Führers Ali Khamenei beruft. Wir haben es hier mit der Unterstützung jener extremen islamischen Bewegung zu tun, die weltweit Spaltung, Hass und in letzter Konsequenz auch Terror in die Gesellschaft trägt.

Das Al-Mustafa-Institut wurde 2007 gegründet und ist eine der wichtigsten unter diesen Organisationen, die durch das iranische Regime gefördert und kontrolliert werden. Dass die Aktivitäten des Al-Mustafa-Instituts nicht verboten, sondern auch noch staatlich finanziert werden, ist ein Skandal und beweist einmal mehr, dass die deutsche Regierung mit dem Vorwand angeblicher Religionsfreiheit eine falsche Toleranz pflegt und damit die innere Sicherheit Deutschlands gefährdet.

Die islamischen Organisationen sind nicht Lösung, sondern Teil des Problems

Das in Ihrer Verantwortung liegende Familienministerium betreibt ein gefährliches Spiel. Anstatt alles zu versuchen, um Deutschland, Europa und die Welt vor der weiteren Verbreitung und Legitimierung des politischen Islam zu schützen, unterstützen Sie diesen. Warum machen Sie das?

Der Dialog mit Vertretern des politischen Islam ist falsch und verstärkt nur ihr Gefühl der Überlegenheit und die daraus abgeleitete Berechtigung, in unsere Gesellschaft einzugreifen. Dabei vertreten die islamischen Organisationen und Verbände nur einen winzigen Bruchteil der in Deutschland lebenden Menschen aus sogennanten islamischen Ländern.

Ich spreche im Namen von Millionen Frauen, die im Iran jeden Tag gegen das islamische Regime, Scharia und Kopftuchzwang kämpfen. Sie als Frau sollten unterdrückte Frauen stützten und schützen. Stattdessen erschweren Sie unseren Kampf, indem Sie dem islamischen Regime helfen, noch mehr Einfluss im Ausland und in Deutschland zu erlangen und sich als den “besseren, moderateren Islam” zu verkaufen.

Wir Frauen haben die “Rationalität” des islamischen Regimes und seiner Institutionen gut kennengelernt, etwa als Reyhane Jabbari 2014 hingerichtet wurde, weil sie sich gegen eine Vergewaltigung gewehrt hatte. Oder wenn tausende Frauen jedes Jahr wegen “unmoralischen Verhaltens” in Gefängnisse gesteckt werden. Ich rede also nicht von der Vergangenheit, sondern von der heutigen Situation im Iran.

Sehr geehrte Frau Ministerin Barley,

die Unterstützung islamischer Organisationen ist eine riesige Ohrfeige für die säkulare Frauenbewegung im Iran. Nein, noch schlimmer: Sie zertrümmern mit Ihrer Finanzierung den Glauben meiner iranischen Schwestern, dass die in freien Gesellschaften lebenden Frauen ihren Kampf sehen, verstehen und begleiten. Sie sollten wissen, dass im Iran trotz schwerster Repressalien eine große Frauenbewegung, eine säkulare Bewegung, eine große Aufklärungsarbeit und humanistische Islamkritik existiert. Viele Iraner riskieren dafür täglich ihr Leben.

Ich bin eine Frau, die im Iran von Anfang an gegen dieses Regime und gegen das uns bis heute quälende Schariagesetz gekämpft hat. Ich habe meinen Mann und viele geliebte Menschen, die sich ebenso aufgelehnt haben, in den großen Hinrichtungswellen 1980 und 1981 verloren. Ich musste deshalb wie so viele andere Menschen aus meiner Heimat fliehen, und lebe seit über 20 Jahren in Deutschland.

Mit großer Sorge sehe ich nun, wie sich islamische Organisationen in Deutschland mit Hilfe der deutschen Politik verbreiten und zunehmend an Einfluss gewinnen. Wir Frauen, vor allem wir, die aus solchen sogenannten islamischen Ländern entflohen sind, werden immer besorgter in dem doch eigentlich freien Land Deutschland, alleine schon durch den massiven Zuwachs von Vereinen und Moscheen, die mit einer frauenfeindlichen und islamischen Ideologie hier aktiv sind.

Ich verlange von Ihnen und der deutschen Regierung, jegliche finanzielle Hilfe für islamische Verbände sofort zu beenden, egal ob es sich dabei um den verlängerten Arm von Saudi-Arabien, der Türkei oder des Iran handelt. Und ich bitte Sie, Frau Barley, um eine Erklärung an uns und an die Menschen, die von dieser Ideologie täglich erdrückt, versklavt, entwürdigt, gedemütigt und ermordet werden.

Mina Ahadi