Wer sind Wir?___Mission Statement

F R E I r a u m   s t a t t   H A R A M k u l t u r

Haram ist das neue Jugend-Modewort in Europa. Haram nennt man im Islam das religiös Verbotene: Schweinefleisch, Alkohol, außerehelichen Sex und noch ein paar eher seltene Dinge wie Hundefleisch.

Doch inzwischen gilt gerade in Jugendkreisen alles als Haram, was irgendwie anrüchig erscheint – häufig alles was mit westlichem Lebensstil zu tun hat. Junge Männer scheinen das auf eigene Handlungen oft spaßig zu meinen. Doch wenn die Handlungen von Frauen so bezeichnet werden, kann es bitterer Ernst werden.

In dieser „Haram-Kultur“ leben Frauen und Mädchen in einem engen Korsett, in dem ihre Handlungen oft willkürlich als verboten deklariert werden. Das Gespräch mit einem Mitschüler oder Kollegen, Make-Up, Überstunden auf der Arbeit und etliche Sportarten können zu Vorwürfen, Prügel oder Schlimmerem führen. Es ist eine Angstkultur, die in deutschen Moscheen gepredigt, auf deutschen Internet-Seiten verbreitet und in einer deutsch-muslimischen Jugendkultur weitergetragen wird.

Als Spiegelbild dazu sehen wir die deutsche Gesellschaft, wo inzwischen die Kritik an frauenverachtender Ideologie allzu oft in die Nähe von rechtem Gedankengut gerückt wird. Wir erleben in unseren sehr unterschiedlichen Arbeitswelten, dass Menschen Angst haben, sich kritisch zu äußern oder überhaupt nur ihre Erfahrungen zu schildern. Wer benennt, dass Frauen vom (politischen) Islam unterdrückt werden, muss fürchten als rassistisch tituliert zu werden. Auch das ist eine Haram-Kultur, eine Kultur der willkürlichen Zensur, die zwar (bisher noch) keine rechtlichen, aber sehr spürbare soziale Konsequenzen hat.

Diese deutsche Haram-Kultur hat viele Facetten. Sie beginnt dort, wo Menschen aus Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung in die Schublade „Muslim“ eingeordnet werden. Das ist insbesondere für AtheistInnen, ChristInnen und andere Minderheiten eine Mikro-Aggression. Aber auch für viele Muslime ist es ärgerlich permanent über ihre Religion definiert zu werden.

Die deutsche Haram-Kultur besteht darin, dass in Medien Frauen muslimischen Glaubens meist als Kopftuchträgerinnen gezeigt werden. Auch viele gläubige Musliminnen tragen bewusst nicht das Kleidungsstück, das Islamistinnen zu ihrem Markenzeichen gemacht haben. Ihnen wird durch die Darstellung in den deutschen Medien erneut der Haram-Stempel aufgedrückt.

Zur Haram-Kultur gehört auch die staatliche und zivilgesellschaftliche Unterstützung muslimischer Institutionen, die die Haram-Angstkultur propagieren. Vielfach wird so eine Version des Islams gefördert, die zu Menschen- und Frauenrechten ein zumindest zwiespältiges wenn nicht feindliches Verhältnis hat.

Die Haram-Kultur ist Konsequenz einer rigiden Auslegung des Islams, die Teil des Programms des politischen Islams ist. Der politische Islam hat mit seinem Siegeszug in den späten 1970er Jahren bis heute eine prägende Rolle in der Islam-Auslegung übernommen. Gerade jungen Muslimen und nicht-muslimischen Deutschen scheint diese Auslegung der „wahre Islam“ zu sein, denn sie haben nicht erlebt, wie die Islamisten in den 1980er Jahren anfingen alle Lebensbereiche zu infiltrieren und religiöse Vorschriften im Sinne ihres proto-faschistischen Programms umzudeuten.

Auch Muslime, die die rigiden Vorschriften für sich ablehnen, kennen häufig keine alternativen Auslegungen oder glauben den Institutionen, die liberale Auslegungen wiederum als Haram brandmarken. Der Widerspruch zwischen westlichem Lebensstil und permanenter islamistischer Berieselung führt zu Schuldkomplexen, die sich bei manchen in Aggressionen gegen die westliche Gesellschaft Bahn brechen. Dass ein ehemaliger Drogendealer später Terrorist im Namen des Islams wird, ist eine der Folgen dieser durch den politischen Islam hervorgerufenen Schuldkomplexe.

Da sich der politische Islam auf die Religion stützt, gehen ihm auch viele Deutsche auf den Leim und verteidigen diese islamische Spielart des Faschismus als schützenswerte Kultur.

Wir treten für einen Freiraum von Kategorisierungen und Konformitätsdruck für Muslime ein. Zugleich wollen wir einen Freiraum für eine kritische Debatte jenseits rechter Diskurse schaffen. Als HumanistInnen, Menschen- und Frauenrechtlerinnen stehen wir gegen Rassismus und Kulturrelativismus.

Wir wenden uns gegen jede Stigmatisierung von Muslimen. Wir treten dafür ein, dass sie als Mitbürgerinnen und Mitbürger, als Menschen mit gleichen Rechten, ernst genommen werden.

Dazu gehört:

Dass Frauen, Mädchen, Homosexuelle und andere Identitäten mit muslimischem Hintergrund sowie Ex-Muslime denselben Schutz der Gesellschaft erhalten wie Menschen mit nicht-muslimischem Hintergrund.

Dass Menschen mit muslimischem Hintergrund dieselbe Solidarität der aufgeklärten Teile der Gesellschaft erfahren, wenn sie sich gegen reaktionäre Tendenzen in ihren Communities zur Wehr setzen.

Dass reaktionäre politisch-religiöse Ideologien nicht als Kultur oder Religion verharmlost werden, sondern als politische Ansicht wahrgenommen, mit der wir uns genauso auseinandersetzen müssen wie mit anderen reaktionären Ideologien.

Dass PolitikerInnen und staatliche Institutionen das Problem des politischen Islams genauso ernst nehmen wie andere rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft und entsprechende Unterstützung für dessen Bekämpfung zur Verfügung stellen.

 

 

 

 

Advertisements