Dr. JOHANNES KANDEL – Rezension zu Hamed Abdel-Samads neuem Buch: Integration. Protokoll des Scheiterns.

Hamed Abdel-Samad: “Johannes Kandel ist Politikwissenschaftler und Historiker. Er war Akademiedirektor bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin und wollte damals eine kritische Debatte übe r Islam und Migration in die Mitte der Gesellschaft holen. Er lud mich zu einer Veranstaltung der FES ein, die sehr spannend war. Doch das war in der Stiftung nicht gewollt. Seitdem Herr Kandel bei der Stiftung nicht mehr tätig ist, werden kritische Stimmen nicht mehr eingeladen, dafür aber gerne salafistische Imame von Moscheen, die unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen.Herr Kandel hat mein neues Buch über die Integration sachlich und unaufgeregt analysiert. Er nennt die zentralen Thesen des Buches ohne die Rolle des moralischen Schiedsrichters zu spielen.
Wer wissen will, worum es in meinem Buch geht, sollte diese Rezension lesen”.

Rezension

Von Dr. Johannes Kandel
16. April 2018

Hamed Abdel-Samad, Integration. Protokoll des Scheiterns.
Droemer-Verlag, München. 19,99 €

Hamed Abdel-Samads neues Buch wird, das kann man jetzt schon sagen, sicherlich wieder zum Bestseller. Es ist uneingeschränkt empfehlenswert. Der Autor hat erstens ein gut lesbares Buch in einer gelungenen Mischung aus wissenschaftlichen Erörterungen und Erzählungen vorgelegt. Zweitens befasst er sich intensiv mit der vorwiegend quantitativ ausgerichteten Migrationsforschung. Drittens bietet er einen eher „qualitativen“ Zugang zu seinem Thema (Erzählungen, Praxisberichte, Interviews). Viertens redet er – wie in seinen bisherigen Büchern – Klartext und lässt kein schwieriges Thema aus. Fünftens unterbreitet er am Schluss Lösungsvorschläge (Integration ist möglich, es braucht einen „neuen Marshallplan für Deutschland“ (234 ff.).

Auseinandersetzung mit der Migrationsforschung

Vor dem Hintergrund einander widersprechender empirischer (quantitativer) Studien, die sich häufig nur auf Teilaspekte (wie etwa den Arbeitsmarkt) konzentrieren, stellt Abdel-Samad ernüchtert fest, dass die „Wissenschaft immer mehr zu einer Glaubenssache“ geworden ist (27). Die Medien verstärken das, indem sie „einordnen“ und „bewerten“ und sich auch nicht scheuen, den „moralischen Zeigefinger zu erheben“ (27). Im Blick auf das Gelingen oder Scheitern von Integration gibt die Forschung empirisch sowohl positive Signale (z.B. Bertelsmann Studie 2017, Deutschland postmigrantisch, 2014 ff.) als auch skeptisch-pessimistische Einschätzungen. (Münster Studie, 2016, Koopmans, 2014).

Das Gelingen oder das Scheitern von Integration werden in den Sozialwissenschaften auf vier Ebenen der Integration diskutiert: 1. Strukturelle Ebene (z.B. Bildungs-und Arbeitsmarktdaten). 2. Kulturelle Ebene (umfasst sogenannte „Signifikanten“ wie „Fragen zum Kopftuch, zur Teilnahme am Sport-und Schwimmunterricht oder zur Sprachkompetenz“)3. Soziale Ebene (z.B. Freundschaften, Vereinsmitgliedschaften, Nachbarschaftskontakte). 4. Identifikative Ebene (emotionale Verbundenheit und Zugehörigkeitsgefühle zu einem Land)(33). Die Wissenschaft bietet offenbar kein klares Bild der Gewichtung und Zuordnung der komplexen Felder, denn es ist schon umstritten, welche Integrationsebene zuerst als gelungen erreicht werden sollte. Abdel-Samad zitiert den Psychologen Ahmad Mansour, der über die Studien ein vernichtendes Urteil fällt: „Ich glaube den meisten Studien nicht, die behaupten, die Integration sei auf einem guten Weg. Sie sind oft politisch motiviert, gehen nicht in die Tiefe und fangen die wirkliche Stimmung nicht auf. Die meisten Studien haben auch gar nicht die Absicht, die Realität abzubilden, sondern sie sollen der besorgten Bevölkerung ein beruhigendes Ergebnis präsentieren.“ (38).

Integrationsgeschichte

Abdel-Samad geht einen anderen Weg. Er erzählt zunächst seine eigene Integrationsgeschichte, die Hochs und Tiefs seiner Auseinandersetzung mit seinen verschiedenen Identitäten als Ägypter, Muslim und Deutscher, der nun schon fast 23 Jahre in Deutschland zugebracht hat. Er beschreibt seine Zerrissenheiten, Zweifel, Wut und Leidenschaften im Integrationsprozess. Schließlich schlussfolgert er für sich einen – radikal anmutenden – Individualismus: „Ich repräsentiere bestenfalls nur mich selbst. Ich will weder die Welt retten noch die Muslime erleuchten. Ich will nur von meinem Recht Gebrauch machen, frei zu denken und frei zu sprechen, egal wo und egal wann.“(57) Er höre nicht auf „mit der Suche nach mir selbst“ und dem sich „immer wieder neu zu definieren und infrage zu stellen. Ich brauche keine Gruppe und Gemeinschaft, die mir bestätigt, dass ich recht habe. Ich brauche nur Luft zum Atmen, etwas zum Essen und Meinungsfreiheit. All das hat mir Deutschland als freies Land zugestanden.“(58)

Woran scheitert Integration?

Sein Buch soll ein „Protokoll des Scheiterns“ sein und das zeigt er mit vielen Beispielen aus Deutschland und Europa auf. Woran scheitert die Integration? Abdel-Samad fasst zusammen: „Die Integration scheitert an Versäumnissen in den Bereichen Bildung, Erziehung und Wertevermittlung, Sie scheitert an Identitätshygiene, an Ab- und Ausgrenzung. Die rückwärtsgewandten Utopien im Kopf vieler Migranten, aber auch die nationalistischen Vorstellungen des rechten Randes in Deutschland gefährden das Zusammenleben und die innere Sicherheit. Die Integration scheitert an der Politisierung und Institutionalisierung des Islam in Deutschland, an der Naivität der Politiker und an der Passivität der friedlichen Muslime. Sie scheitert an konkurrierenden Wertesystemen und Zukunftsvisionen, an Opferhaltung und Anspruchsmentalität. Sie scheitert an Radikalisierung und der starken Emotionalisierung der Debatte um Islam und Migration und am Fehlen einer offenen Streitkultur. Sie scheitert am Begriff der Integration selbst, der für die einen ein Reizwort ist und für die anderen ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht“ (66). Seine zahlreichen Gespräche mit Migranten zeigen das Scheitern, aber auch Chancen des Gelingens. Integration kann gelingen wenn der Einzelne sich frei machen kann von der „Macht des Kollektivs“ (69), gleichviel ob es die türkisch-nationalistisch-islamistische Community ist oder die konservative muslimische Parallelwelt mit ihren zahlreichen religiös-kulturellen Geboten und Verboten (halal und haram). Dann kann Segregation durchbrochen werden. Wenn Familie, Freunde, Schule und Arbeit dem einzelnen Selbstbestimmung ermöglichen und er /sie von der deutschen Gesellschaft als wirklich Deutscher anerkannt wird. Doch das erfordert immenses Selbstbewusstsein, Durchsetzungswillen, Überwindung der Angst vor den Reaktionen aus Familie und lebensweltlichen Kollektiven. Und auch die Bereitschaft zum Bruch mit ethnisch konnotierten und religiös-kulturellen Identitäten der jeweiligen Herkunftsländer. Hier muss das Aufeinanderprallen von oft scharf entgegengesetzter Wertesystemen und religiösen Überzeugungen ausgehalten und konstruktiv bearbeitet werden. Eine Reihe derer, die den Ausbruch aus den beengenden Kollektiven geschafft haben, loben auch den Einsatz einzelner Deutscher, die ihnen halfen, sich in Deutschland zurechtzufinden.

Parallelgesellschaften in Europa

Wie unendlich schwierig die Loslösung von kontrollierenden Kollektiven ist, zeigt Abdel-Samad am Beispiel von Parallelgesellschaften in Europa auf. So hat er „No-Go-Areas“ und „gated communities“ in Migrantenvierteln aufgesucht und vor Ort recherchiert: Paris, Marseille, Brüssel, Amsterdam, Aarhus, Kopenhagen, Bonn und Berlin. Es ist erschreckend und höchst besorgniserregend wie weit hier die Segregation schon fortgeschritten ist: „Das Kollektiv bestimmt, wie sich die Individuen zu verhalten haben. Überall gibt es die gleichen Probleme mit Arbeitslosigkeit, Drogenkonsum und militantem Islamismus. Überall dort, wo das Kollektiv das Sagen hat, gibt es keine Freiheit. Und da wo die Freiheit fehlt, gibt es keine Integration“(99).

Der Staat hat hier sein Gewaltmonopol aufgegeben. Es regieren die Scharia, die Islamisten und kriminelle Clans, die ein Netzwerk von Angst und Einschüchterung gespannt haben. Bei den Dreharbeiten an diesen Orten wurde Abdel-Samad massiv behindert, bedroht und auch tätlich angegriffen. Die Öffentlichkeit soll von den unhaltbaren Zuständen nichts erfahren. Am schlimmsten ergeht es jungen Frauen, die der Kontrolle des islamischen Kollektivs ausgesetzt sind. Ihre Bewegungsfreiheit in der Öffentlichkeit ist stark eingeschränkt; eine Todsünde ist es, einen deutschen Freund haben zu wollen. Die „richtige“ Kleidung (Kopftuch) ist Pflicht. Das hierarchische, patriarchalische System des Kollektivs konzentriert sein Konzept der Ehre „in erster Linie auf die Kontrolle der Frau und ihrer Sexualität“, legitimiert es durch die Religion und begünstigt „Gewalt und Zwänge“ (115). Zwangsverheiratungen (in Deutschland erst seit 2011 Straftatbestand) und Ehrenmorde kommen vor. Hatun Sürücü musste sterben, weil sie „wie eine Deutsche leben wollte“, so sagte es ihr Bruder, der Mörder, vor Gericht.

Das Kopftuch – Unterdrückung oder „Emanzipation“?

Erneut wirft Abdel-Samad die Kopftuchfrage auf, die seit vielen Jahren die Gemüter erhitzt und scharfe Polarisierungen pro und contra hervorgerufen hat. Von den einen wird das Kopftuch als „Symbol der Unterdrückung“ und von anderen als „Selbstermächtigung“ gesehen. Immer wieder wird von Kopftuchträgerinnen, muslimischen Verbänden und manchen „feministischen“ Befürwortern behauptet, dass das Tragen des Kopftuchs freiwillig sei. Doch: „Freiwilligkeit setzt Freiheit voraus. Eine Freiheit, die aber in jenem religiös-patriarchalischem System, das das Kopftuch vorschreibt, nicht vorgesehen ist. In diesem System heißt es nicht, eine Muslima darf ein Kopftuch tragen oder eine Muslima darf darauf verzichten. Es heißt vielmehr, eine Frau, die das Kopftuch trägt, ist eine gute Muslima, und eine, die es nicht trägt, ist eine unsittliche“. (120)

Der politische Islam nutzt das Kopftuch als Teil seiner Strategie zur Demonstration der Sichtbarkeit des Islam und so geht vom Kopftuch eine moralische und politische Botschaft aus: hier regiert der Islam. Die Strategie hat Erfolg, denn die Zahl der Kopftuchträgerinnen hat rasant zugenommen. Wer keines trägt, vor allem in der Schule, gilt mindestens als Außenseiter oder „Schlampe.“ Die „Normalisierungsstrategie“ des politischen Islam trägt Früchte: Kopftuchtragen soll muslimisch „normal“ sein, obwohl es im Koran keine klare Anweisung dazu gibt. Abdel-Samad bringt Beispiele wie diese Normalisierungsstrategie aus der Mehrheitsgesellschaft auch noch unterstützt wird: Demonstrationen pro Kopftuch und die Produktion einer Barbie-Puppe mit Kopftuch.

Was kann Bildung leisten? Über „kulturelle Kompatibilität“

Dass gute Bildung ein Kernelement gelungener Integration ist, das ist ein Gemeinplatz. Umstritten ist jedoch, welche Erfolge bzw. Misserfolge hier aus den Migrantenmilieus zu melden sind. Eine Migrationsforscherin verweist auf die bei türkischstämmigen jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 gestiegene Abiturquote – auf 36% (gegenüber der Generation davor mit gerade 3%). Gleichwohl liegt der Abstand zwischen Deutschen ohne Migrationshintergrund und türkischstämmigen Schulabgängern immer noch bei 10 Punkten. Hinzu kommt eine „Abitur-Inflation“ mit einer „Absenkung des Niveaus“ (139). Abdel-Samad unterstreicht, dass die „Kultur-und Wertsysteme der Herkunftsgesellschaft“ auch das Leben in der neuen Heimat und den Bildungserfolg bestimmen(139 ff.). So ist es doch erklärungsbedürftig, warum Migranten aus dem südostasiatischen Kulturkreis besser als die abschneiden, die aus islamisch geprägten Kulturwelten kommen. (gemäß PISA Studien). Abdel-Samad zitiert einen Wirtschaftspädagogen für die Erfolgsgründe: „Ordnung, diszipliniertes Lernen, intensive Betreuung durch Eltern wie Lehrer – und die konfuzianisch-buddhistisch geprägte Kultur, die der Bildung höchste Priorität einräumt.“ (139) Der Westen wird nicht als „historischer Feind“ erlebt, sondern als Chance fürs Vorwärtskommen. Hier gibt es also eine „kulturelle Kompatibilität“ (140). Wo sich diese „Kompatibilität“ zeigt und Freiheit und Selbstbestimmung in der Kultur hohe Werte sind, findet auch stärkere Integration statt. Wo kollektive Kontrolle herrscht und Angst regiert, findet keine Integration statt. Abdel-Samad zeigt das am Beispiel junger Frauen, deren Sexualität in islamischen Milieus scharf kontrolliert wird. „Sexualität“ so spitzt er es zu, „ist der große Elefant im Raum der Integration“ (141). Mädchen in Migrantenvierteln müssen ihre Sexualität entweder „unterdrücken oder heimlich ausleben und ihre Umgebung ständig anlügen. In beiden Fällen müssen sie sich verstellen“, in beiden Fälle sind die jungen Frauen unfrei (142).

Radikalisierungen

Intensiv wendet sich Abdel-Samad den besorgniserregenden Prozessen der Radikalisierung junger Muslime zu. Lange Gespräche hat er darüber mit Ahmad Mansour, Psychologe und praxiserfahrener Jugendarbeiter, geführt. Das Ergebnis: Wenn man zu den bereits radikalisierten Dschihadisten nur in begrenztem Maße Zugang findet (für die Abdel-Samad in einem bewegenden „Brief an einen Jugendlichen“, den Appell richtet, sich zu besinnen, 172-179) so sollte es möglich sein „Frühradikalisierungen“ in der Schule zu erkennen. Islamisten hätten gelernt, ihre Radikalität medial zu verzuckern. Sie träten heute als „Krawattenislamisten“ (159) auf, in modernem Gewande und mit nicht anstößiger Sprache. So verbreiteten sie das Gift der islamistischen Herrschaftsideologie mit den klaren Regeln von halal und haram (Das vom Islamisten Chefideologen Qaradawi verfasste Buch „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“ ist eine Art Bestseller). Die Hauptursachen der Radikalisierung seien nicht in Armut und Diskriminierung zu suchen, sondern es ist die islamistische Ideologie, die verführt, die Identität, Sicherheit, Gemeinschaft, Geborgenheit und klare Regeln verspricht. Jugendliche sehen sich aufgewertet als Kämpfer für den Islam. Mansour geht nicht von Tausenden, sondern inzwischen Hunderttausenden angesteckter Jugendlicher aus. Schulbesuche bestätigten Abdel-Samad wie die „Seuche des Islamismus“ (164) um sich greift.

Islam und Islamismus

Abdel-Samad versucht, das Verhältnis von „Islam“ und „Islamismus“ zu bestimmen. Er will das eine nicht von dem anderen trennen, wie es oft im Islamdiskurs vorkommt. Er wählt das Beispiel einer Zwiebel mit mehreren Schichten. Außen ist die extremste Schicht, des „militanten Dschihadismus“. Darunter käme die Ideologie „die die Welt in Gläubige und Ungläubige unterteilt und den Märtyrertod als die höchste Stufe des Glaubens sieht“ (170). Darunter die Millionen konservativer Muslime, die „dennoch diese Ideologie gutheißen und sich weder vom Dschihad noch vom Traum des Kalifats lösen“ (170). Und darunter schließlich die „normalen“ Gläubigen, die zwar Dschihad und Terror ablehnen, ihre Kinder aber mit Angstpädagogik erziehen „und das irdische Leben als wertlos erachten“ (170). Das ist ein gutes Bild, weil es die engen Verbindungen von Islam und Islamismus aufzeigt und deutlich macht, dass man nicht nur an der äußeren, militanten Zwiebelschicht herumdoktern darf, sondern die ganze „Zwiebel“ in den Blick nehmen muss.

Orient und Okzident und tödliche Identitäten

Abendland und Morgenland standen sich seit dem siebten Jahrhundert meistens konfrontativ gegenüber. Das ist den Köpfen von zahllosen Muslimen so geblieben, die den Machtverlust des Islam im Laufe der Geschichte nicht verkraftet haben und immer noch „vom Sieg des Islam über alle anderen Religionen und über die Ungläubigen“ träumen. Und das ist nicht nur ein Traum, „sondern ein politischer Auftrag, den Gott höchstpersönlich allen Gläubigen erteilt“ (183). Für diese Muslime ist klar, dass der Islam „nicht gekommen ist, um sich in irgendetwas zu integrieren, sondern um alles von oben zu bestimmen und den Willen Gottes auf Erden durchzusetzen“ (183). Im Islamdiskurs sieht Abdel-Samad die Radikalen auf beiden Seiten – bei den Muslimen und in der Mehrheitsgesellschaft – am lautesten und erfolgreichsten am Werk. Die Zuspitzungen im Freund-Feind Schema nehmen zu, die Polarisierungen spalten das Land, rückwärtsgewandte Utopien und idealisierte Vergangenheiten prallen aufeinander. Hier entwickelt sich eine Geisteshaltung von Denkverboten. Einschüchterung, Hass und Verschwörungstheorien, die einen rationalen Diskurs unmöglich machen. Doch wer hält die Ambivalenz dieser Polarisierungen aus und ist in der Lage, noch eine offene und ehrliche Debatte zu führen? Sowohl auf Seiten der Muslime als auch der Mehrheitsgesellschaft gibt es da eklatante Schwächen und Widersprüche. Abdel-Samad fragt sich zu Recht, wo die „friedliche, schweigende Mehrheit der Muslime“ bleibt (207). „Warum lässt sie zu, dass der politische Islam die größte Mobilisierungskraft im Land behält? Warum überlässt man den reaktionären und radikalen Kräften den öffentlichen Raum, um sich dann darüber zu beschweren, dass das Bild des Islam in der Öffentlichkeit schlecht ist?“ (207). Es wird den wenigen „liberalen“ Muslimen (siehe Ibn Rushd Goethe Moschee) nicht genügend geholfen, sie werden im Gegenteil vom organisierten Islam noch heftig angegriffen. Das sind düstere Aussichten für den Verbandsislam, der „jeder Liberalisierung entgegensteht“ (209). Abdel-Samad geht mit „Rechten“ und „Linken“ gleichermaßen ins Gericht. Unverständlich bleibt ihm, warum Linke im Blick auf den konservativen Islam plötzlich ihre linken Werte zurückstellen, das Kopftuch verteidigen, Muslime als Opfer von Kolonialismus und Imperialismus sehen und sich mit dem politischen Islam gegen Amerika und Israel verbünden. Islamkritiker wie Abdel-Samad werden von dieser Seite als „Rassisten“ und Anti-Islam „Hetzer“ geschmäht. Die „Rechten“ verurteilt er wegen ihrer pauschalen Angriffen auf die vermeintliche „Lügenpresse“ und ihre kruden Verschwörungstheorien.

Flüchtlinge

Gerade in dieser hochemotionalen Frage hätte ein offener Dialog stattfinden müssen. Doch das geschah nicht, sondern die Vertreter einer „Willkommenskultur“ denunzierten alle die als „Rechtspopulisten“, die nur Fragen danach stellten, ob das alles zu schaffen sei und wie so große Flüchtlingsmengen integriert werden könnten. „Was fehlte war eine sachliche Analyse ohne Denkverbote. Was fehlte und fehlt, ist ein klares Konzept, das nicht nur auf kurzfristige Erfolge abzielt, sondern langfristig ausgerichtet ist. Das alle Ebenen umfasst – von der Bildung über den Arbeitsmarkt bis hin zum Wohnungsmarkt – und nicht genauso kopflos und unter falschen Prämissen agiert wie seinerzeit bei den Gastarbeitern“ (213). Abdel-Samad hat Flüchtlinge für sein Buch befragt, allerdings eine Auswahl von Menschen, die engagiert und zum Dialog aufgeschlossen waren. Gleichwohl war es selbst bei diesen erschreckend, in welchem Umfang, die mitgebrachten konservativ-patriarchalischen Wertsysteme das Alltagsverhalten, insbesondere im Blick auf die Kindererziehung, bestimmten. Auch Antisemitismus und Antiisraelismus ließen sich feststellen. Die gesprächsoffenen Flüchtlinge klagten über Radikalisierung und Einschüchterung in den Flüchtlingsheimen, ein nicht zu unterschätzendes Phänomen. Einen offenen, fairen Diskurs und der Wille, die anstehenden Probleme zu überwinden, gibt es gegenwärtig nur zaghaft.

Einen neuen Marshallplan für Deutschland

Abdel-Samad belässt es erfreulicherweise nicht dabei, nur die Problemlagen und die Gründe des Scheiterns der Integration scharfsinnig zu schildern. Er fordert, etwas pathetisch, einen „neuen Marshallplan“ für Deutschland und nimmt den Staat, die Justiz, die Polizei, die Wirtschaft, die Schulen, die Zivilgesellschaft, die „Rechten“, die „Linken“, die Medien, die Islamverbände, die Kirchen, die Migrationsforschung und die Flüchtlinge in die Verantwortung. Dies ist ein starker Schluss seines Buches, denn für alle der Genannten hat er durchaus praktische Vorschläge. Eine ganze Reihe dieser sind zwar nicht neu, aber werden erneut mit Nachdruck formuliert.

Der Staat muss sich das „Gewaltmonopol zurückholen“ und mit einer Null-Toleranz Politik, die Kontrolle in den No-Go Areas zurückgewinnen. Ferner gilt es, die kriminellen Clans zu zerschlagen. „Unterwanderung“ muss verhindert werden, es darf keine „Sonderkollektivrechte“ im Namen der Religion geben. (..) „Sensible Bereiche wie Polizei und Justiz müssen vor einer Unterwanderung durch Islamisten, Nationalisten und Clans geschützt werden.“ (238) Eine Paralleljustiz wie durch sogenannte Friedensrichter darf man nicht dulden. Statt die konservativen Verbände zu stützen und damit die „Institutionalisierung des politischen Islam“ zu begünstigen, sollte sich der Staat neue Verbündete suchen: „muslimische Wissenschaftler, Intellektuelle, Künstler, Sportler, Menschen – und Frauenrechtler…“ (239) und schließlich sollte der Staat endlich ein Einwanderungsgesetz verabschieden.

Im Bereich der Justiz empfiehlt Abdel-Samad neben der Aufstockung von Ressourcen und Personal mehr Härte gegenüber Straftätern. Gesetzeslücken, die bei straffällig gewordenen Asylbewerber oder Intensivtätern mit Migrationshintergrund, Abschiebung verhinderten, müssten geschlossen werden. Es müsste auch ein „Ausbau bzw. Umbau des Grundgesetzes“ überlegt werden (241). Dieser Vorschlag bleibt etwas vage. Es bräuchte, so der Autor, „neue verpflichtende Artikel für die Bürger, was freie persönliche Entfaltung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau“ betrifft (241). Konkret fordert er aber, dass Väter, die ihren Töchtern verböten, Sport zu treiben oder an Klassenfahrten teilzunehmen, juristisch belangt werden müssten.
Abdel-Samad weiß sicherlich, dass er mit seiner Forderung nach einer Modernisierung des Staatskirchenrechts und der damit verbundenen Prüfung der Anordnung und Bedeutung des Art.4 GG (Religionsfreiheit) in ein Wespennest stößt. Über die Grenzen der Religionsfreiheit (und die verfassungsimmanenten Schranken des Art.4) ist seit langem politisch und juristisch heftig gestritten worden (siehe die Kopftuchurteile des BVerfG). Für eine Änderung des GG, das die bisherige religionsfördernde Rechtsprechung zugunsten der Rechte Dritter (z.B. Elternrechte) oder Güter von Verfassungsrang (z.B. staatlicher Bildungsauftrag, Gleichberechtigung) korrigierte, gibt es zurzeit keine politische Mehrheit. Abdel-Samad ist ein Verfechter stärkerer Laisierung („Religion als Privatsache“) und sehr skeptisch gegenüber einem bekenntnisgebundenen Religionsunterricht. Seine Bedenken sind im Blick auf die möglichen islamischen Träger eines solchen Unterrichts (die konservativen Verbände!) und die Besetzung islamischer Lehrstühle mit konservativen Theologen sicherlich berechtigt. Es ist in der Tat fraglich, ob ein solcher Unterricht, wie es die Befürworter erhoffen, ein Gegengewicht zu den konservativ-patriarchalischen Wertesystemen in Familie, Koranschulen und Moscheen bilden könnte. Er plädiert deshalb für einen „Islamkundeunterricht“ (157) an dem alle Schüler teilnehmen sollten. Dies müsste dann in 16 Bundesländern neu verhandelt werden, ein politisch hochbrisantes Unternehmen mit sehr zweifelhaftem Erfolg.

Für die Polizei fordert Abdel-Samad, dafür zu sorgen, dass der Beruf attraktiver wird: bessere Bezahlung, bessere Ausbildung und bessere Überprüfung von Bewerbern, um „mögliche Verbindungen zu antidemokratischen Ideologien oder radikalen Gruppen auszuschließen“ (243).

Die Wirtschaft müsse sich für eine Modernisierung des Bildungssystems einsetzen und die Digitalisierung befördern.

Der Schule komme im Integrationsprozess eine Schlüsselrolle zu. Sie dürfe nicht nur bloße Wissensvermittlung sein, sondern müsse Raum für Debatten und Kreativität bieten. Heikle Themen für muslimische Schüler, Patriarchat, Religion, Sexualität und Selbstbestimmung müssten in einer Schule, deren Ziel Aufklärung sei, angesprochen werden. Dazu brauche es besser ausgebildete Lehrer, die auf Konflikte vorbereitet seien und eine „offene Streitkultur“ eröffnen könnten (246).

Die Zivilgesellschaft solle eine „neue Wertedebatte“ führen, die Lagerbildung vermeidet und Demokratie stärkt. Muslime sollten nicht mehr als „einheitliches Kollektiv“ gesehen werden, sondern als Individuen und gleichberechtigte Bürger akzeptiert werden. (249).

Die „Linken“ werden aufgefordert, ihr einseitiges Deutschlandbild zu korrigieren und Werte wie Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und sexuelle Freiheit hochzuhalten. Sie sollten auch ihre „Allianzen mit autoritären Kollektiven“ beenden.

Gegenüber den „Rechten“ stellt Abdel-Samad zunächst sachlich fest, dass die AfD aufgrund einer demokratischen Wahl in den Bundestag gekommen sei. „In einer Demokratie muss es möglich sein, diese unbequeme Partei auszuhalten und sich konstruktiv mit ihr auseinanderzusetzen. Sie zu dämonisieren ist überheblich und hilft niemandem“ (251). Er mahnt dann aber an, dass berechtigte Islamkritik nicht zur Ausgrenzung von Muslimen führen dürfe. Man müsse zwischen den Menschen und der Ideologie unterscheiden. Muslime dürften nicht ausschließlich als „Problemfälle“ wahrgenommen werden. Fremdenhass und Hetze dürften keinen Platz in der AfD haben (253).

Abdel-Samads Medienkritik ist nur allzu berechtigt. Statt sorgfältiger journalistischer Recherche mit dem Ziel der Wahrheitsfindung, seien einseitige Parteinahmen bei den Themen Islam, Flüchtlinge und Integration zu beobachten. Die einen spielten die Probleme herunter, die anderen bauschten sie auf. Es müssten Misserfolge und Erfolge der Integration ohne Vergröberung der Problemlagen aber auch ohne „Idealisierung“ offen benannt werden (255).

Die Existenz der (von ihm oft kritisierten) Islamverbände hält der Autor für „legitim“, obwohl sie oft den falschen Anspruch erhöben, für alle Muslime zu sprechen. Wer Körperschaft des öffentlichen Rechts werden wolle, müsse die „deutschen Werte nicht nur annehmen, sondern diese auch vermitteln“ (256). Hier wäre es hilfreich gewesen, noch einmal zu verdeutlichen, was unter „deutschen Werten“ zu verstehen ist. Die Verbände müssten vor allem „aus der Kontrolle ausländischer Regierungen und Gruppen“ heraus (256). Die finanzielle Abhängigkeit, die zu weiterer „Stagnation und Radikalisierung“ führe, müsse beendet werden. Ferner empfiehlt Abdel-Samad, eine neue „Minoritätentheologie“ zu entwickeln. Islamwissenschaftler und muslimische Rechtsgelehrte mögen hier spontan an die Konzepte eines Minoritätenrechts (fiqh al-aqualliyat) denken, wie sie z.B. der Islamist Yussuf al-Qaradawi und der der in den USA lehrende Wissenschaftler Taha al-Alwani entwickelt haben. Doch von diesen Konzepten, die eine Art „Scharia Light“ für die muslimische Minderheit im Westen formulierten, ist Abdel-Samad weit entfernt. Er orientiert sich an dem Talmudgelehrten Mar Schmuel, der für die Juden in babylonischer bzw. persischer Gefangenschaft das Prinzip formuliert hatte: Das Gesetz ist das Gesetz des Herrschers. Juden sollten danach grundsätzlich verpflichtet werden, „die Gesetze des Landes, in dem sie leben, zu respektieren und zu befolgen.“ (256). Auch an der jüdische Aufklärer des 18. Jahrhundert Moses Mendelssohn (1729-1786) kann als Vorbild präsentiert werden. Dieser habe die Juden zur Integration in Deutschland mit den Worten ermuntert: „Seid Juden zu Hause und deutsch auf der Straße“. Ferner nennt er den dänischen Pfarrer Grundtvig und die muslimischen Bosniaken, die im 19. Jahrhundert eine Minoritätentheologie entwickelt hätten. Schließlich empfiehlt er den Verbänden trotz fortbestehender „Diskriminierungen“ aus der Opferhaltung herauszukommen. Auch das ist nun eine immer wieder vorgetragene Forderung.

Die Kirchen kritisiert Abdel-Samad wegen ihrer Dialogpolitik, die seiner Meinung nach aber mit den „falschen Akteuren geführt“ wird (258). Die Kirchen dürfen sich nicht zu „Komplizen des politischen Islam“ machen und sollten „auch mit den säkularen kritischen Christen und Muslimen den Dialog“ betreiben. Interessant ist, dass der Autor auf die Rede von Papst Benedikt XVI. vom 12. September 2006 (nicht wie im Buch angegeben 2008)(259) Bezug nimmt und sie als guten Anstoß zum Dialog preist. In der Rede ging es um „Glaube und Vernunft“ und in einem inkriminierten Zitat auch um die dunkle, die Gewaltseite, des Islam. Die Rede hatte ja wütende Reaktionen in der islamischen Welt hervorgerufen und zu Gewaltausbrüchen geführt. Der Papst ruderte, völlig unnötig, zurück, und ein Einstieg in einen neuen substantiellen Dialog war das nicht.

Die Migrationsforschung mahnt Abdel-Samad, sich nicht mit den Objekten ihrer Forschung zu identifizieren. Man dürfe den Menschen weder Angst machen, noch ihnen die Angst nehmen. Außerdem brauche es eine Studie zur Situation muslimischer Frauen und zur Frühradikalisierung.

Und schließlich ganz zum Schluss hat der Autor noch einige Ratschläge an die Flüchtlinge. Sie sollten nicht Krankheiten importieren, die ihre Länder kaputt gemacht haben: „Fanatismus, Intoleranz, sektiererische Gewalt und Antisemitismus“ (261). Sie sollten Geduld mit ihrer neuen Heimat haben, denn diese muss auch Geduld mit ihnen aufbringen.

Ein Fazit: Wiederholt forderte der Autor in seinen Schriften und Vorträgen zu einer offenen und ehrlichen Debatte über die drängenden Probleme auf. Das kann man nur unterstützen. Es braucht eine faire, von Respekt geprägte Streitkultur. Dazu hat Hamed Abdel-Samad einen hervorragenden Beitrag geleistet.

 

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PAUL NELLEN: Was geht uns die Scharia an?

Nach dem Terroranschlag von Barcelona hören wir es auf allen Kanälen. Die Kanzlerin spricht es aus, aber auch die Tatzeugen vor Ort sagen es in die Mikrophone: Sie dürfen und sie werden uns nicht besiegen! Wir leben unser Leben weiter wie bisher! No pasaran! Und: Wir haben keine Angst! Das klingt wie Trotz in der Trauer, ein Schlachtruf, aus dem Schluchzen herausgepresst. Er soll uns Mut machen. Doch jeder weiß: die Anschläge und Einstiche kommen näher, können aus heiterem Himmel jeden treffen. Und beim nächsten Mal hören wir wieder die gleichen Beruhigungs- und Trotzformeln, ergänzt mit Zahlen der Statistiker. 814 mal größer ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall sein Leben zu verlieren, und 2045 mal größer, bei einem Unfall im eigenen Haushalt zu sterben als bei einem Terrorangriff. Trotzdem meiden immer mehr Menschen größere Veranstaltungen, seien es Volksfeste, Konzerte oder Ausstellungen. Das Unbehagen wächst.

Da kann nicht einmal das militärische Ende des IS in Syrien und im Irak Hoffnung geben. Denn „Islamischer Staat“ ist, wer sich dazu zählt, also im Prinzip jeder strenggläubige Muslim. Der „IS“ braucht schon längst keine Grenze, kein Staatsvolk und keine Staatsgewalt mehr, wie die Drei-Elemente-Lehre des Staatsrechtlers Georg Jellinek es im 19. Jahrhundert noch vorsah. Jeder Muslim, der den Islam so auslegt und den Koran so liest, wie es der „IS“ tut, kann als Einzelner oder mit einigen Gesinnungsbrüdern zur Terrortat schreiten, ein Messer ergreifen, einen Klein-LKW in eine Menschenmenge steuern, eine Bombe zünden. Der Islam ist alles, du bist nichts, so tickt es im Extremisten. Daran, so heißt es neuerdings, hätten wir uns zu gewöhnen; das sei sogar „unverzichtbar“, so Christiane Peitz im „Tagesspiegel“ am Tag nach dem Attentat von Barcelona.

Mag sein. Dann aber, so der Kommentator „woerlitzer“ auf der Webseite des Peitz-Artikels, sollte diese Einstellung nicht nur gegenüber islamistischem Terror gelten. „Wir müssen uns“, schreibt er sarkastisch, „daran gewöhnen, dass Asylbewerberheime angezündet werden. Wehe dem, der das schriebe. Völlig zu Recht würde er ausgegrenzt. Aber den Islamgläubigen sozusagen das Recht auf Terror zuzubilligen (nichts anderes tut die Autorin), das ist in Ordnung.“

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IRENE KOSOK: Warum ich den Aufruf für den Erhalt des Berliner Neutralitätsgesetzes unterstütze

Irene Kosok hat den Aufruf zum Erhalt des Berliner Neutralitätsgesetzes unterzeichnet. Hier begründet die Gesamtelternvertreterin an einer Neuköllner Grundschule warum das Neutralitätsgesetz erhalten bleiben muss.
„Als Gesamtelternvertreterin einer Nord-Neuköllner Grundschule sprachen mich bereits vor über 10 Jahren türkische Mütter an, die sich Sorgen insbesondere um ihre Töchter machten. Sie berichteten mir von dem zunächst unterschwelligen, später immer offeneren Druck, den der Ditib-finanzierte Islamlehrer auf die Kinder ausübte. Er sprach Kinder an und fragte, warum sie nicht teilnähmen. Den teilnehmenden Schülern vermittelte er ganz subtil, daß sie die besseren Muslime seien, was diese prompt den nicht teilnehmenden unter die Nase rieben.
Das Kopftuch wurde als Zeichen von Sittlichkeit angepriesen und verbreitete sich dadurch. Der Druck auf die kopftuchlosen Mädchen stieg enorm. Wer will schon den Eindruck erwecken, leicht zu haben zu sein. Muslimische Familien, die säkular leben wollten fühlten sich zum Wegzug aus Neukölln genötigt und einige packten tatsächlich die Koffer. In aller Regel bedeutete das den Verlust von leistungsstarken integrierten Schülern.
Damals habe ich die Sorgen dieser Mütter nicht wirklich verstanden. Ich hatte keine Ahnung wie stark der Gruppendruck innerhalb der muslimischen Community ist. Ich mag mir gar nicht vorstellen welchen Effekt wohl eine Lehrerin mit Kopftuch hätte. Heute ärgere ich mich, dass ich nicht schon damals diese Missstände angeprangert habe, denn seitdem ist nichts besser geworden und eine Aufhebung des Neutralitätsgebots würde eine weitere Verschlechterung bedeuten.“

JAKLIN CHATCHADORIAN: Was Lidl mit prügelnden Tschetschenen und Frauenbadetagen zu tun hat

Wie unser Staat zusehends auch mit vermeintlich „friedlichen“ Mitteln islamisiert wird

Von Jaklin Chatschadorian für die Jüdische Rundschau

„Den Islam“ gibt es nicht. Der moderne, differenzierende Demokrat verkündet, es gäbe Facetten des Islam, ebenso wie jeder anderen Religion, und es gäbe ihren Missbrauch. Das mag so sein. Nun wäre es jedoch absurd, durch die Kulisse von Facetten einer Religion dieser die gemeinsame, identitätsstiftende Funktion zu nehmen.

Das Bekenntnis zu einer bestimmten Religion ist der öffentliche Ausdruck des persönlichen Glaubens ebenso wie die Einordnung der eigenen Person zu dem dazugehörigen Kollektiv der Gleichgläubigen.
Mit ihnen teilt man die zentralen Glaubensinhalte, übt die gleichen Zeremonien und Riten aus, feiert die gemeinsamen Glaubensfeste und grenzt sich damit zu anderen Religionen ab. Innerhalb einer Religion gibt es selbstverständlich immer verschiedene Meinungen darüber, wie bestimmte Einzelfragen der Heiligen Schriften ausgelegt und verstanden werden sollen. Diese vielfältigen Untergruppen innerhalb einer Religion, die Konfessionenvielfalt, ist nicht nur dem Islam eigen, sondern auch dem Christen- und Judentum.

Anders als bei den Glaubensgemeinschaften der Juden und Christen, werden im Islam bestimmte muslimische Einzelpersonen oder Organisationen von einzelnen Mitgliedern der Umma, vorzugsweise in politischen Diskussionen, formfrei und ohne den Anspruch von den Betreffenden oder von anerkannten Institutionen oder hohen Geistlichen gehört zu werden, exkommuniziert.

Die eigentliche Chuzpe liegt hier weniger in der Akzeptanz einer systemstabilisierenden Selbstjustiz (Vigilantismus). Erstaunlich ist vielmehr Umstand, dass gerade jene Gläubigen, die eine strenge, wörtliche Auslegung der eigenen, heiligen Schrift bevorzugen, die Orthodoxen, von denen, die selbst diese Regeln weniger streng befolgen, der sog. friedlichen Mitte der Umma, politisch exkommuniziert werden.

Ein guter Grund sich diese sogenannte „friedliche Mitte“ inmitten unserer Gesellschaft und den bei uns gelebten Islam näher anzuschauen.
Hier gibt es in einem ersten Schritt zwei zu differenzierende Lager: Die politische Vertretung des Islams in Deutschland und die einfache Bevölkerung muslimischen Glaubens.

Der Islam hat kein Oberhaupt und damit keinen Ansprechpartner
Der Islam hat kein führendes geistliches Oberhaupt und damit auch keine einzelne feste Autorität als Ansprechpartner für Muslime oder Außenstehende. Es existieren Theologen, die man um Rat fragen kann und bestimmte anerkannte Rechtsschulen, denen unverbindlich ein bestimmter Geltungskreis zugesprochen wird. . . .

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JAKLIN CHATCHADORIAN: Die hiesige Islam-Verharmlosung ist blanker Rassismus

“All dies wissend geht im Westen eine die Scharia in ihren Grundsätzen befürwortende, radikale Toleranz ungehindert ihren eigenen Weg eines pervertierten Laissez-faire.
Für sich selbst und die eigene Gemeinschaft lehnt man als moderner deutscher Weltbürger jede Bildungsverweigerung, die Benachteiligung von Frauen oder den Verzicht auf Wein als Kulturgut ab.
Man (über-)fördert die eigenen Kinder mit nachmittäglichem Geigen- und Klavierunterricht, nachdem man diese bestenfalls von einer deutsch-englischen oder deutsch-spanischen, binationalen Schule abgeholt hat und sie am Wochenende in den Tennisclub fährt, während man sich im politischen Gespräch bzw. in der kommunalen Politik dafür einsetzt, dass der rückschrittliche „Südländer“ seiner Tochter den, das Kind zum Sexualobjekt erklärenden, Burkini ebenso aufdrängen darf wie man ihm gestattet, der Lehrerin im Elternabend die Hand zu verweigern, damit dieser sich nicht mit sexuellen Gedanken versündigt.”

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Nicht nur wir, sondern auch arabische, türkische und persische Religionsgegner sind Opfer des europäischen Islam-Appeasements

Von Jaklin Chatschadorian

Der Schleier fällt auf den Boden. Nicht nur das Gesicht einer langhaarigen, jungen Frau ist zu sehen, sondern auch ihr goldbestickter Büstenhalter, ihr Bauchnabel, der ein Eigenleben zu führen scheint, ein glitzernder Rock, nackte Füße. Auch ein Mann steht auf der Bühne. Er besingt ihre Schönheit und seine Liebe zu ihr.

Raqs Sharqi. Der klassisch orientalische Tanz der arabischen Welt stammt aus Ägypten und hat über verschiedene Modernisierungen auch den Weg in die Nachtclubs von Damaskus, Beirut und Istanbul als Begleitung zu alkoholischen Getränken erreicht. Heute ist in der Türkei ein gesalzenes Joghurt-Wasser-Gemisch Nationalgetränk, das es strafbewährt nicht zu beleidigen gilt.

Ortswechsel. Eine urbane Szene aus einer alten Fotographie, archiviert in der Bibliothèque nationale de France. Es zeigt drei junge, lachende Frauen allein auf der Straße. Sie tragen Minirock und hohe Schuhe zu ihrem offenen Haar. Afghanistan 1972, vor Taliban und Scharia.

Auch aus dem Maghreb, dem Iran oder Pakistan gibt es alte Bilder aus einer säkularen, freien Welt. Frauen, die studierten, geschlechtergemischte Gruppen junger Menschen auf offener Straße, Familienfotos in Badehose und Bikini. Bilder, die zum Beispiel stolze Sportlerinnen einer nationalen Basketballmannschaft oder Krankenschwestern in adretter Uniform zeigen.

Beim Betrachten solcher Bilder drängt sich vor allem eine Frage auf: Wie weit wären die Gesellschaften des Orients, wenn nicht die Freiheit des Individuums durch die Scharia, die Gesellschafts- und Rechtsordnung des Islam, ersetzt worden wäre? Ein italienisch angehauchtes Libyen, ein spanisch-orientalisches Marokko oder ein nach skandinavischem Muster gestrickter, frauenfreundlicher Irak?

Ja, es gab eine wunderbare Zeit zwischen den Kriegen des Abū l-Qāsim Muhammad ibn ʿAbdallāh ibn ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim ibn ʿAbd Manāf al-Quraschī und denen des IS und der Taliban heute, ebenso wie eine Zeit ohne Staatsoberhäupter wie Erdogan und Rohani. Die arabische, türkische und persische Kultur z.B. existierten eine sehr lange Zeit ohne bzw. neben dem Islam, fernab von der heute für modern erklärten Notwendigkeit einer sogenannte „Reform“.

Die persische Kultur ist 2.500 Jahre alt
Die persische Kultur etwa reicht über 2.500 Jahre zurück und ist damit ein entscheidendes Stück älter als die Religion des Islam. Trotz der Übermacht der Religion im Alltag, angefangen von der Verschleierungspflicht für Frauen bis zur Isma, der Sündlosigkeit und Unfehlbarkeit aller religiösen Oberhäupter, gibt es kulturelle, islamunabhängige Aspekte, die das Bewusstsein der Bewohner und die Geschicke des Landes immer noch prägen. Die Lehren des Zarathrusta, einem Priester aus dem zweiten Jahrhundert vor Christi, prägen die Vorstellungen der Iraner von Gastfreundschaft. Das Wissen über das persische Königtum schaffte ein patriotisches Gefühl gegenüber der eigenen Bevölkerung, Geschichte und Kultur, losgelöst von religiösen Aspekten.

Religiöse Bildung ist im Islam oft mehr wert als wissenschaftliche Bildung
Die islamische Revolution verdrängte die säkulare Gesellschaft, die den islamischen Aspekt der persisch-iranischen Identität ausgewogen auszuleben bzw. kleinzuhalten wusste. Für die berufliche Karriere des Individuums ist die vorhandene Bildung des Kandidaten nur noch von nachrangiger Bedeutung. Der islamische Klerus, unfehlbar in seinen Entscheidungen, sitzt an den Schalthebeln der Macht. Frauen in Führungspositionen hat es regelmäßig nicht zu geben, um das paternalistisch-autoritäre Führungssystem nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die persönliche Qualifikation der Frau darf religiös bedingt nicht in den Wettbewerb mit Männern treten.

Im Kalifat des Osmanischen Reiches hatte lediglich die religiöse Bildung einen hohen Stellenwert. Man erklärte die Kenntnisse zur Überlieferung der Prophetentraditionen zum Privileg und überhöhte diesen Bereich gegenüber der Bildung in Bereichen wie der Architektur, der Mathematik oder des produktiven Handwerks. Ähnlich zu beobachten ist diese Überhöhung religiösen Wissens in der heutigen, sogenannten Neuen Türkei, wenn sich die Politik dafür ausspricht das Fach „Dschihad“ gesondert neben dem Religionsunterricht einzuführen und gleichzeitig die Evolutionstheorie aus den Lehrplänen zu streichen.

Boko Haram, die terroristische Vereinigung aus Nigeria, geht genau denselben Weg. Man setzt sich ein für die Einführung der Scharia unter gleichzeitigem Verbot westlicher Bildung.

Mädchen werden in eine brennende Schule zurückgescheucht
Saudi Arabien, 2010. Das saudische Erziehungsministerium entscheidet sich, acht Jahre nach einem Großbrand in einer Mädchenschule, für die Aufhebung einer strengislamischen Regelung. Seinerzeit hatten die Wächter der islamischen Religionspolizei Saudi-Arabiens Schülerinnen scharia- bzw. gesetzeskonform daran gehindert, das brennende Gebäude zu verlassen, weil sie keine Kopftücher und langen Gewänder trugen. Augenzeugen berichteten von geschlagenen, zurückgedrängten Kindern.

All dies wissend geht im Westen eine die Scharia in ihren Grundsätzen befürwortende, radikale Toleranz ungehindert ihren eigenen Weg eines pervertierten Laissez-faire.

Für sich selbst und die eigene Gemeinschaft lehnt man als moderner deutscher Weltbürger jede Bildungsverweigerung, die Benachteiligung von Frauen oder den Verzicht auf Wein als Kulturgut ab. Man (über-)fördert die eigenen Kinder mit nachmittäglichem Geigen- und Klavierunterricht, nachdem man diese bestenfalls von einer deutsch-englischen oder deutsch-spanischen, binationalen Schule abgeholt hat und sie am Wochenende in den Tennisclub fährt, während man sich im politischen Gespräch bzw. in der kommunalen Politik dafür einsetzt, dass der rückschrittliche „Südländer“ seiner Tochter den, das Kind zum Sexualobjekt erklärenden, Burkini ebenso aufdrängen darf wie man ihm gestattet, der Lehrerin im Elternabend die Hand zu verweigern, damit dieser sich nicht mit sexuellen Gedanken versündigt.

Der Widerspruch, über den man besser nicht spricht
Unter dem Deckmantel einer falschen Liberalität und Emanzipation setzt man sich gegen jede gefühlte Diskriminierung von Frauen ein, gern auch unter Missachtung grundlegender Sprachregelungen wie etwa im Falle des generischen Maskulinums, während man gleichzeitig Werbung mit Hijab, einem Stück Tuch, das Frauen als ehrbare Sexualobjekte kennzeichnet, befürwortet.

Während man jede Kritik an rassistischen oder rückständigen Inhalten des Islams unter dem marketingtechnisch gut finanzierten, erfolgreichen Kampfbegriff der „Islamophobie“ untersagt, stört man sich mitnichten an der rassistischen, Diskriminierung empfehlenden und empfindlich Missachtung ausdrückenden Kennzeichnung von Nichtmuslimen als Ungläubige. Während belanglose Meldungen von Einzelpersonen zur Zensur nach dem sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetz führen, fällt der unter Kapitel 2 eines von Muslimen – unter Missachtung des Grundrechts auf Religionsfreiheit – für alle heilig erklärten Buches veröffentlichte Text, der sich für die Vertreibung, Verfemung, Verfluchung und Tötung von Andersdenkenden ausspricht, unter den Schutz des Art. 4 GG (Grundrecht auf Religionsfreiheit).

Diese Widersprüche werden bereitwillig hingenommen. Mehr noch: Wehe dem, der hier einen Widerspruch sieht. Er wird zum Ketzer erklärt.

Der Islam steckt Arabern, Türken und Persern nicht „in den Genen“
Dem Muslim, selbst dem liberalsten seiner Zunft, hingegen wird per politischer Überkorrektheit der ihn (und jeden anderen) begrenzende Islam „genetisch“ angeheftet – dies ist nichts anderes als blanker Rassismus. Aus dem Iraner, dem Pakistani und dem Algerier wird der Muslim. Seine nationale, ethnische Herkunft verliert – durch den Islam ebenso wie durch den gefühlten Weltbürger Europas – zugunsten einer absoluten Idee an Bedeutung. . . .

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HANNAH WETTIG: Der Grund für Genitalverstümmelung

Hannah Wettig für Jungle.World

Der Islam ist eine wunderbar konsequenzfreie Religion. Dicke Bücher wurden geschrieben, wie die katholische Beichte unsere Sexualität beeinflusst, wie Luther unser Mutterbild prägt, was der Calvinismus zum Kapitalismus beigetragen hat. Mit dem Christentum hat also offenbar recht viel etwas zu tun. Dabei steht vom Kapitalismus gar nichts in der Bibel, auch nichts von Mutter-Kind-Bonding, nicht einmal von der Beichte.

Ganz anders beim Islam: Schlagende Ehemänner, Sklavinnen, Kreuzigungen, Judenhass – steht alles im Koran. Hat aber nichts mit dem Islam zu tun.

Das hat gerade sogar Die Welt festgestellt. Es ging um weibliche Genitalverstümmelung. Die Welt zitiert: Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) widerspricht Vermutungen, die Genitalverstümmelung sei eine gängige Praxis in islamischen Ländern; die Religion werde oftmals nur als Grund „vorgeschoben“.

Aha: „Als Grund vorgeschoben“. Das heißt doch so viel, dass die Leute, die ihren kleinen Mädchen die Klitoris und noch mehr wegschneiden, sagen, dass sie das machen, weil der Islam das verlange. Soviel ist dann wohl auch der DSW klar: Man kann ihr nicht vorwerfen, sie kenne die Studien zum Thema nicht. Dort wo weibliche Genitalverstümmelung praktiziert wird, geben zwischen 60 und 99 Prozent der muslimischen Befragten an, dies sei eine islamische Pflicht. Christen und Juden, die in manchen Gegenden auch weibliche Genitalverstümmelung praktizieren, geben nicht an, dass sie das aus religiösen Gründen täten.

Will man diese brutale Praxis bekämpfen, ist es wichtig diese Debatten zur Kenntnis zu nehmen. Es liegt auf der Hand, dass Muslime nicht einfach aufhören das zu glauben, was sie glauben, weil eine deutsche Stiftung der Meinung ist, ihre Religionsgelehrten hätten keine Ahnung von der Religion.

Der Grund dafür ist einfach: In den Schriften dieser Religionen gibt es keinen Hinweis darauf, dass man Mädchen etwas wegschneiden soll. Im Islam gibt es den.

Schneide nicht zu viel

In der Hadith-Sammlung Sunan Abu Dawud sagt der Prophet Mohammed einer Beschneiderin: „Komm näher, ich zeige Dir, wie man es macht. Schneide nicht zu viel. Das lässt die Frau erröten und ist besser für den Ehemann.“ In einer anderen Hadith spricht die Prophetenfrau Aisha über Sex mit der Umschreibung „die zwei beschnittenen Geschlechtsteile, die sich treffen“.

Hadithe sind Erzählungen über das Leben des Propheten. Es gibt davon einige hunderttausend und nicht alle davon gelten als echt oder “authentisch“. Die verschiedenen Rechtsschulen haben unterschiedliche Ansichten dazu, welche echt sind. Aber alle islamischen Theologen greifen auf Hadithe zurück, um religiöse Regeln zu begründen. Wer behauptet, dieses oder jenes stünde nicht im Koran und habe deshalb nichts mit dem Islam zu tun, hat offenbar keinen Schimmer von islamischer Theologie. . . .

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PAUL NELLEN: Deutschlandfunk: Einer kam durch

Alle Augen waren am gestrigen Freitag in den deutschen Medien auf Martin Schulz und auf den selbstverursachten Sturz des SPD-Himmelsstürmers gerichtet. Währenddessen nutzte ein weithin unbekannter Professor aus dem estnischen Tallinn die Gunst der Stunde, um, zusätzlich überlagert vom närrischen Treiben in weiten Teilen der Republik, in der freitäglichen Sendereihe „Koran erklärt des Deutschlandfunks hemmungslose Islamophobie zu verbreiten.

Wo sonst einfühlsame Koran-Auslegungen für religionsdialogisch gestimmte Hörer vorgestellt werden, übertrug das Kölner Funkhaus auf einmal Worte, die sonst nur aus dem neu zusammengesetzten Bundestag an die Öffentlichkeit dringen – oder von der politischen Peripherie, wo rechte Hetzer und deutsch-muslimische Verfassungsfundamentalisten sich „Guten Morgen“ sagen:

„Die Diskriminierung anderer Religionen zieht sich wie ein roter Faden durch die islamische Geschichte“… „Der Islam kennt keine religiöse Toleranz, sie ist ein Wunschbild des Westens“, verkündete Professor Jastrow aus dem fernen Tallinn über die Ätherwellen vom Rhein. Er meinte es tatsächlich ernst.

Schlimmer noch: Der Gelehrte zählte sogar Beispiele auf für ein seit Jahren umgehendes Gerücht, das mit „Is-” beginnt und mit „-lamisierung“ endet, ohne freilich das Fakewort selbst zu nennen. Der Freitagsprediger geriet dabei selber zum Hassprediger, zum Ankläger gegen westlich-christliches Appeasement:

„Immer häufiger“ zeige sich eine „vorauseilende Unterwürfigkeit, mit der in Europa christliche Positionen geräumt werden. Vielerorts werden in der Öffentlichkeit keine Christbäume mehr aufgestellt, in der Schule werden keine Weihnachtslieder mehr gesungen, und als bisheriger Höhepunkt legten zwei deutsche Bischöfe auf dem Jerusalemer Tempelberg ihre Kreuze ab, um den muslimischen Hausherren ‚ihren Respekt‘ zu bezeugen.“

Anklage, statt wie gewohnt Auslegung. Jecke Töne aus dem seriösesten Funkhaus Deutschlands? Hoffentlich nur eine einmalige geschmacklose Entgleisung. Es ist eben Karneval am Rhein.

Und wie wir die Kölner kennen, so gilt ganz sicher auch in diesem Fall wieder spätestens ab nächste Woche die alte Regel: Am Aschermittwoch ist alles vorbei…
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